Theorie und Geschichte der Ballade
Vorgeschichte
Das Wort "Ballade" kommt vom italienischen ballata über das provenzialische ballada und das französische la ballade. Es drehte sich von Anfang an um ein strophisches Tanzlied, das der Tanzende selbst sang. Seit dem 13. Jahrhundert entwickelten die Troubadours die Form der Ballade, die dann im 15. Jahrhundert bei Villon ihren Höhepunkt fand in drei gleichen durchgereimten lyrischen Strophen mit Kehrreim. Diese Form wird im 16. Jahrhundert auch in Deutschland Ballade genannt. In England bezeichnet das Wort balad ein erzählendes Lied mit volkstümlicher Darstellung von auffallenden Ereignisse. Dieser Begriff wurde um 1770 in Deutschland übernommen.
Art und Weise
Die Ballade ist ein erzählendes Gedicht. Ihre Grundhaltung ist episch. Goethe findet den Begriff Ur-Ei zur Bezeichnung der Ballade (in den Erläuterungen zu seinem Gedicht "Ballade", 1821 ("Ballade, Betrachtung und Auslegung") in "Über Kunst und Altertum").

In der Ballade stehen sowohl das dramatische Element (Dialog) wie das lyrische (Form) im Dienst der Erzählung. Im Mittelpunkt steht nicht so sehr der Mensch, sondern das Schicksal, das sich ihm offenbart. Dieses geschieht in einem rational erfaßbaren und einem irrational-unbegreiflichen Geschehen. Immer gestaltet die Ballade eine Begenung des Menschen mit Mächten, die ihn von außen oder innen her bedrohen und ihn zum Untergang oder doch zum Schauer führen.

Diese existentielle Erschütterung erwächst aus dem Urgefühl der unmittelbaren Gebundenheit des Menschen an Gott und an die Dämonen, an Schicksal und Bedrohung. Aus dieser Ursituation erklären sich Gehalt und Bau der Volksballade wie auch der Kunstballade im engeren Sinne: das Düstere und Verhängte in der Stimmung, der Entscheidungscharakter im Gehalt, das Schlagartige im Ablauf und das Herbe, Kantige in der Form. Dem Urkonflikt sind extreme Themen von Bedrohung und Bewährung, dazu meistens ein tragischer Ausgang angemessen.
Typologien der Ballade
 
Numinose Ballade
Der Begriff "numinos" stammt aus der Religionspsychologie und beschreibt das gleichermaßen bedrohlich-ängstigende und verführerisch-lockende Merkmal des irrational Gefühlsbetonten. Zur numinosen Ballade zählt die: naturmagische Ballade, totenmagische Ballade, Schicksalsballade
Heldenballaden & Problemballaden
Heldische Balladen haben den Sieg der sittlichen, moralischen, ethischen Vorstellungen des Helden, der als Synonym für die Menschen im Allgemeinen gilt, zum Inhalt.
Problemballaden thematisieren die diffusen Phänomene des Seelenlebens.
Volksballade
Die Volksballade stellt eine anonyme, oft gesungene Ballade dar. Die Verfasser sind zum Großteil nicht bekannt, die Texte mündlich überliefert. Gegen Ende des 18. Jh. begann man damit, die Texte zu sammeln. Die Strophen dieser Balladenform sind meist episch und mit einem Endreim ausgestattet, Paar- oder Kreuzreime. Der Satzbau ist einfach. Die größte Ausprägung hatten Volksballaden in Deutschland zwischen 1250-1450 und zwischen 1770-1850. Inhalt waren meist Sagen, Legenden, Heldenlieder oder -epen in denen die Protagonisten vor einer entscheidenden Begegnung standen. Eine besondere Form der Volksballade sind die Minnesängerballaden. Ab dem 16. Jahrhundert entstanden die Zeitungslieder, gereimte Gedichte über das Zeitgeschehen, die von Zeitungssängern vorgetragen und verkauft wurden.
Kunstballade
Die Kunstballade entstand um 1770 und wurde initiiert durch englisch-schottische Geisterballden. Die Unterscheidung zur Volksballade wird am Autor festgemacht. Während Volksballaden aus dem Volk stammen, sind Kunstballaden von einem einzelnen, bekannten Autor verfaßt. Die formale Struktur der Kunstballaden ist vor allem durch Vielfalt geprägt, sie kann sowohl eine ähnlich einfache Struktur wie die der Volksballade aufweisen, als auch kunstvoll aufgebaut sein. Die Balladen Goethes, Schillers, Meyers, etc. sind also Kunstballaden. Hier wird abermals typologisiert. So zählt Schiller zu den Verfassern von Ideenballaden und Uhland zu denen der historischen Ballade.

Im Verlauf des 19. und zu Beginn des 20. Jh. erfuhr die Kunstballade eine romantische Prägung und verlor ihren düsteren Charakter. Die Inhalte waren nun eher geheimnisvoll, unheimlich und abenteuerlich. Vertreter dieser Form waren z.B. Mörike, Droste-Hülshoff und Fontane.

Im 20. Jahrhundert prägte sich abermals eine neue Form, die Ballade wurde politisch und hatte satirische, groteske oder ironische Züge. Vertreter dieser Form sind z.B. Tucholsky oder Ringelnatz.

Eine der ersten Kunstballaden stammt von Gottfried August Bürger: Leonore
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